Das Erfolgsrezept von Felix Lobrecht! Eine psychologische Analyse

Felix Lobrecht

Felix wer?

Falls ihr ihn nicht kennt, Felix Lobrecht, 32 Jahre jung, ist ein sehr erfolgreicher Stand-up Comedian, Bestseller Autor und führt gemeinsam mit Tommi Schmitt, Deutschlands aktuell erfolgreichsten Podcast (Gemischtes Hack). Er wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet, u.a. als bester Komiker mit dem Deutschen Comedypreis 2020.

Felix wuchs gemeinsam mit seinen beiden Geschwistern in Berlin Neukölln in armen Verhältnissen auf. Da seine Mutter früh verstorben war und sein Vater sich allein um die Kinder kümmern musste, bezogen sie Hartz IV. Er war der einzige deutsche Schüler in seiner Schulklasse, an der Gewalt an der Tagesordnung war. Der Berliner holte sein Abitur an der Abendschule nach und studierte Politikwissenschaften (wissen die wenigsten).

Man kann sagen, dass er es aus eigener Kraft geschafft hat, allen widrigen Bedingungen zu trotzen und sich als „Selfmademan“ nach ganz oben zu kämpfen. Nicht nur aus psychologischer Sicht sehr interessant. Vielleicht fragt ihr euch auch, wie hat er das geschafft? Was ist sein Erfolgsrezept? Was kann ich von ihm lernen?

Da ich selbst Lobrechtfan bin, habe ich aus den Inhalten seiner Auftritte, Interviews und seines Podcasts Vergleiche zu psychologischen Erkenntnissen über seinen Erfolg gezogen.

Aus dieser Analyse habe ich dann Felix-Erfolgsrezept in 11 Kategorien eingeteilt und so sind die „11 Lobrechtschen Erfolgskategorien“ entstanden.

Resilienz und Erfolg von Felix Lobrecht

Die meisten Lobrechtschen Erfolgskategorien habe ich aus der Resilienzforschung abgeleitet.

Der Resilienzbegriff in der Psychologie tauchte auf, weil man erklären wollte, warum viele Kinder, die eigentlich unter sehr widrigen Bedingungen aufgewachsen, keine psychische Störung entwickeln und auch als Erwachsene ein erfülltes Leben führen.

Resilienz bedeutet Widerstandskraft. Und es gibt bestimmte Resilienzfaktoren, die Kinder besonders widerstandsfähig machen. Resilienzfaktoren wurden wissenschaftlich nachgewiesen, indem man über sehr lange Zeit Kinder aus verschiedenen Verhältnissen beobachtet hatte, bis hin zum Erwachsenenalter. Und dann untersuchten die Wissenschaftler, was die psychisch gesunden Erwachsenen, die aber unter widrigen Bedingen aufgewachsen waren, im Kindesalter gemeinsam hatten. Aus diesen Gemeinsamkeiten konnte man dann die Resilienzfaktoren ableiten.

Wer mehr darüber erfahren möchte, dem empfehle ich das Buch „Es ist nie zu spät eine glückliche Kindheit zu haben“ von Ben Furmann.

Bei Felix Lobrecht habe ich sehr viele dieser Resilienzfaktoren entdeckt.

Erfolgskategorie 1 – Humor

Offensichtlich ist Felix lustig und nimmt eigene Unzulänglichkeiten auch mit Humor. Mit einen lockeren Spruch äußert er sich beispielsweise in Interviews auch zu Dingen, die nicht so glatt gelaufen sind. „Gymnasium hab ich mir auch mal anderthalb Jahre angeschaut. Bin dann aber runtergeflogen. Mangels … Verhalten!“ Und lacht dabei in die Kamera. Was ansteckend ist. Dabei sagt Felix von sich: „Witzig war ich schon immer, aber ein Klassenclown war ich nie“.

Wissenschaftler haben herausgefunden, Kinder und Jugendliche, die schwierige Situationen oder eigene Fehler mit Humor nehmen, wachsen zu gesünderen Menschen heran.

Erfolgskategorie 2 – Leistungsorientierung

Kinder und Jugendliche, die sich auf ihre Leistung orientieren, blenden sozusagen das Negative ihrer Umgebung aus und finden in der Leistung einen Ausweg aus ihrem Umfeld auszubrechen.

Wenn ich Felix Lobrecht beobachte und zuhöre, fällt mir immer wieder auf, dass sich sein gesamtes Leben stark um seine berufliche Karriere dreht. In der Schule war er eher ein Rebell, sodass seine Leistungsorientierung, was die berufliche Karriere angeht, erst nach der Realschule eingesetzt haben dürfte, soweit ich das einschätzen kann.

Er hat sich nämlich nicht mit seinem Realschulabschluss zufrieden gegeben, Fachabitur und Abitur auf der Abendschule nachgeholt, Politikwissenschaften studiert, um voranzukommen. Dafür hat er viele Nebenjobs (z.B. im Fitnessstudio, als Sushi-Fahrer, als Barkeeper) gemacht um seine Ziele zu erreichen. Während des Studiums begann er mit Poetry-Slam und entdeckte seine Leidenschaft, die er dank seiner weiteren Erfolgsfaktoren dann letztendlich auch zu seinem Beruf machte.

Man erkennt seine Leistungsorientierung auch daran, dass er stetig besser werden möchte. Dazu beobachtet und analysiert er seine Auftritte selbst kritisch: Der Comedian probiert neue Dinge erst auf kleinen Bühnen aus und wenn sie beim Publikum ankommen, dann nimmt er sie in sein großes Programm auf.

Im Bereich Sport begann Felix‘ Resilienzfaktor „Leistungsorientierung“ schon früher zu wirken, da er mit 14 Jahren begann seinen Körper zu trainieren, zunächst mit der Motivation sich besser gegen andere wehren zu können. Aber er gibt auch im Podcast zu, dass er „krass“ werden wollte.

Erfolgskategorie 3 – Keine Opferhaltung einnehmen

Da Gewalt an seiner Schule und seinem Wohnort Neukölln an der Tagesordnung war, fand Felix Lobrecht selbst eine Lösung durch Kraftsport stärker zu werden. Ganz nebenbei baute er das nötige Selbstbewusstsein auf um sich gegen die durchsetzen zu können. Anstatt sich der Opferrolle hinzugeben, wurde Felix aktiv. Keine Opferhaltung einzunehmen, zählt ebenfalls aus wissenschaftlicher Sicht zu einem wichtigen Resilienzfaktor. Diese Einstellung bedeutet, äußere Bedingungen für sich so zu definieren, dass sie nichts mit einem persönlich zu tun haben und in sich selbst die Lösungen zu suchen, anstatt sich wie ein Opfer der Umstände und somit machtlos zu sehen.

Erfolgskategorie 4 – Sport mit Felix Lobrecht

Bodybuilding und Fitness sind bis heute fest in Felix‘ Alltag integriert. Lange Zeit betrieb er auch Breakdance. Ich kann nicht sagen, ob Felix auch ohne seine Fixierung auf sein Aussehen so erfolgreich geworden wäre, aber ich vermute mal, nein. Weil, wenn man sich die Kommentare in seinem Instagram-Profil (@felix_lobrecht) durchliest, findet man sehr viele Frauen, die vor allem sein Aussehen positiv kommentieren. In seinen Auftritten spielt er mit dieser Facette des „Prolls“ und gerade diese Kombination aus gutem Aussehen, hohem Selbstbewusstsein und Humor macht ihn so einzigartig im Vergleich zu anderen deutschen Comedians (Stichwort Marktlücke).

Man weiß aus psychologischen Studien, dass Sport zu einem gesunden Selbstbewusstsein beiträgt und Glückshormone freigesetzt werden. Also, ihr wollt mehr Erfolg? Dann ab an die Hanteln! 🙂

Regelmäßig Sport zu machen führt dazu selbst wahrzunehmen, dass man durch stetiges und konsequentes Handeln Veränderungen erreichen kann. Unbewusst wirkt sich dies dann positiv auf die Selbstwirksamkeitserwartung aus. Man lernt, dass man durch das eigene Tun seine Ziele erreichen kann. Somit erwartet man von sich selbst eher auch weitere (berufliche) Ziele im Leben zu erlangen.

Erfolgskategorie 5 – Fantasie, Vorstellungskraft

Kinder, die sich in eine Fantasiewelt träumen können, wenn es in ihrem Leben Gewalt oder andere schlechten Entwicklungsumstände gibt, gelten als besonders widerstandsfähig. Dass diese Vorstellungskraft bei Felix schon früh vorhanden war, zeigt sich z.B. in seiner Erzählung, als er seine Mutter in der Grundschule auf eine Wolke malte. Er stellte sich vor, dass es ihr dort im Himmel gut geht. Seine phantasievolle Art wird natürlich in seinen Auftritten, im Podcast oder auch in Felix Lobrechts Bestseller „Sonne und Beton“ super deutlich.

Erfolgskategorie 6 – Nützliche Personen finden

Wenn Kinder ohne ihre Eltern oder mit psychisch kranken Eltern aufwachsen, sorgt es für eine positive Entwicklung, wenn sich die Kinder unterstützende Bezugspersonen suchen. Felix‘ Vater war zum Glück nicht psychisch krank und hat sich sehr gut um seine drei Kinder gekümmert, was Felix immer wieder stolz in seinem Podcast oder in Interviews betont („Frankie, bester Mann!“). Sodass ich sagen würde, ein Resilienzfaktor war definitiv sein Vater „Frankie“, der Felix nicht hat spüren lassen, dass es finanziell schwierig war und seine berufliche Karriere hinten angestellt hat um sich um die Kinder kümmern zu können. Felix hat sich im Laufe seiner Karriere nützliche Menschen gesucht, die ihm geholfen haben, schnell voranzukommen. Becky, seine Managerin zum Beispiel, die ihm geholfen hat ein paar Sprossen auf der Karriereleiter zu überspringen. Weil Felix keine Lust hatte auf vielen kleinen Bühnen zu spielen, sondern schnell vor einem großen Publikum auftreten wollte, engagierte er sie, was wohl eine super Entscheidung war. Die Fusion mit Tommi Schmitt im Podcast trug dazu bei, dass er zusammen mit ihm den Deutschen Comedypreis 2020 für den Besten Comedy-Podcaster erhielt.

Erfolgskategorie 7 – Charakterstärke

Unter Charakterstärke lassen sich viele Eigenschaften zusammenfassen, die man bei Felix beobachten kann: Willensstärke, Hartnäckigkeit, Zielstrebigkeit, Den „Ich zeig es dir – Wunsch“, Unnachgiebigkeit, Eigensinnigkeit, Beharrlichkeit, Wissen was man will, Ziele setzen und erreichen

Konkrete Ziele setzen

Bereits mit 15 Jahren setzte sich Felix das Ziel Millionär zu werden. Er setzte sich dieses Ziel und zwar ganz konkret, nämlich mit der Deadline 30. Geburtstag! Aus der Motivations- und Erfolgspsychologie weiß man, dass anziehende und konkrete Ziele die beste Voraussetzung dafür sind, sie zu erreichen. Also nicht einfach zu sagen: „Ich will irgendwann erfolgreich sein.“ Sondern an konkret messbaren Zahlen festzumachen, wann man genau, was erreicht haben will. Wenn das vorgestellte Ziel, dann auch noch mit starken positiven Emotionen besetzt ist, dann gibt das den Menschen die nötige Energie und Kraft durchzuhalten. Man begibt sich sozusagen auf eine Reise, deren Ankunftsort und Zeit festgelegt ist. Dies vereinfacht es unserem Unbewussten und bewussten Verstand die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Erfolgskategorie 8 – Die richtigen Motivationsstrategien

Es gibt verschiedene Arten sich zu motivieren. Am meisten in Bewegung kommt man, wenn man sich sowohl die erwünschten positiven Veränderung vorstellen kann, als auch die negativen Folgen, wenn man nicht das tut, was einem seinen Zielen näher bringt.

Also in Felix‘ Fall erkenne ich beide Motivationsstrategien, was ihm wahrscheinlich die Energie gibt, stets am Ball zu bleiben.

Zunächst die „Motivation durch Lust“. Also sich all dies vorzustellen, was er sich für Geld kaufen kann, mag ihn angetrieben haben. Rolex, Mercedes-S-Klasse, Gucci Klamotten, Goldkette, Übernachtungen in 5-Sterne-Hotels, Wohnung in einem großen Loft. Und die Geldsorgen hinter sich lassen zu können, die wie er sagt, „lange so ein unangenehmes Grundrauschen“ in seinem Leben waren.

Sowie auch die „Motivation durch Schmerz“ ist für Felix eine Strategie, die er nutzt um Dinge zu tun, die nicht einfach sind, um an sein Ziel zu kommen. So nennt er im Podcast ein Beispiel aus seiner Jugend, als er für 70€ Eiweißpulver kaufte, was er sich eigentlich nicht hätte leisten können. Aber dies war der Anreiz und gab ihm die Power sein Fitnesstraining durchzuziehen „um krass zu werden“. Wenn er mal wenig Motivation verspürt zu trainieren, baut er sich selbst Druck auf, indem er z.B. im Podcast sagt, „Wenn ich bis zur nächsten Folge nicht mindestens drei Mal trainiert habe, dann bin ich ein Opfer.“ Und dies wirkte! Die Angst vor negativen Folgen (Blamage) war hier der Motivationstrick, den Felix gekonnt angewandt hatte.

Erfolgskategorie 9 – Thinking outside the box

Damit meint man in der Psychologie, dass eine Person fähig ist, außerhalb der allgemein anerkannten Regeln zu denken. Also auf eine neue, unkonventionelle Art, oder aus einer neuen Perspektive heraus. Als Resultat dieser Denkweise, geht die Person dann neue Wege und kann somit bessere Ergebnisse erzielen als die breite Masse.

Bei Felix Lobrecht ist mir aufgefallen, dass er seine Entscheidungen danach fällt, inwieweit es ihm Spaß macht und zu seinen Moralvorstellungen und Zielen passt und nicht nach Konventionen handelt. Zum Beispiel sein Studium abzubrechen und seinen Weg des Comedians weiterzugehen. Viele hätten gedacht: „Ich muss aber mein Studium beenden, wenn ich schon ein paar Semester studiert habe um etwas in der Hand zu haben, falls die Künstlerkarriere nicht klappt“.

Er übernahm auch nicht die Überzeugung anderer Comedians, dass er erst für eine sehr lange Zeit auf vielen kleinen Bühnen spielen muss, um irgendwann mal große Hallen füllen zu können. Dadurch, dass er diese „Allgemein gültige Regel“ nicht akzeptierte, fand er auch eine Lösung ganz schnell vor großem Publikum spielen zu können. (Siehe Erfolgskategorie 6 Nützliche Personen finden).

Felix Lobrecht verschenkt auch Tickets zu seinen Shows an Fans, die sich seine Auftritte nicht leisten könnten, weil er weiß, dass Armut auch soziale Ausgrenzung bedeutet. Oft wird er gefragt, ob er keine Angst habe, dass dieses Angebot ausgenutzt wird. Auch hier denkt er nicht wie die Allgemeinheit, sondern vertraut einfach auf die Ehrlichkeit seiner Fans.

Erfolgskategorie 10 – Positives Mindset von Felix Lobrecht

Bei dem Künstler auffallend gut ausgeprägt, ist das in der Erfolgspsychologie viel zitierte „Positive Mindset“. Hierunter fallen mehrere Denkmuster, die nachweislich zu mehr Erfolg führen.

Funktionale Bewertung von Fehlern/ Misserfolgen: Führt man eigene Fehler nicht auf seine schwache Persönlichkeit zurück, sondern auf externe Ursachen oder mangelnde Vorbereitung, dann kann man aus ihnen lernen, ohne sich schlecht zu fühlen. Felix Lobrecht lacht einfach über eigene Fehler. Zum Beispiel auf der Bühne,  als er sich aus Versehen mit seiner Armbanduhr heftig ins Gesicht schlägt.

Oder wenn er sein Ziel nicht erreicht: „Es ist okay, ich bin mit 30 noch nicht Millionär, aber das ist nicht schlimm, lieber die Ziele etwas zu hoch setzen.“ Dies führt dazu, weiter zu machen, anstatt sich wegen eigenen Fehlern oder nicht erreichter Ziele klein und mies zu fühlen.

Unter einem positivem Mindset versteht man auch, sich nicht von der Angst vor Fehlern aufhalten zu lassen. Sondern an sich und seine Fähigkeiten zu glauben und somit mutig Risiken einzugehen.

Wenn Felix nicht weiß, ob ein neuer Text auf der Bühne funktioniert, dann blockiert ihn diese Unsicherheit nicht, sondern er riskiert einfach, dass es schief gehen könnte. Dazu testet er die Wirkung vor einem kleinen Publikum. Wenn es nicht lustig ankommt, dann eben nicht. Und wenn doch, dann nimmt er es in sein großes Bühnenprogramm auf. Dieses Prinzip kennt man auch aus der lösungsorientierten Psychotherapie: Mach mehr von dem, was funktioniert und lass das weg, was nicht funktioniert.

Erfolgskategorie 11 – Selbstbewusstsein

Der strotzt ja nur so vor Selbstbewusstsein“ ist ein Gedanke, der einem auf jeden Fall in den Sinn kommt, wenn man Felix Lobrechts Auftritte anschaut. Egal, ob auf der Bühne oder in diversen Interviews. („Jetzt bin ich ‘n Star, Alter!“). Wenn ihr euch davon etwas abschauen wollt, kann man folgende Regeln aus Felix‘ Verhalten ableiten:

  1. Es ist vollkommen egal für deinen Selbstwert, was andere über dich sagen
  2. Du musst in kein Schema reinpassen
  3. Zeig, was du hast und sei stolz drauf
  4. Steh zu deinen Prinzipien
  5. Du darfst dich selbst geil, super und lustig finden
  6. Gönn dir die Sachen, die du liebst, auch wenn es andere vielleicht prollig finden
  7. Sag direkt deine Meinung und steh dazu
  8. Sei nicht Everybody’s Darling, sondern du selbst, auch wenn du anders bist, als die anderen
  9. Sei mutig
  10. Glaube an deine Fähigkeiten und arbeite stetig an deinen Zielen

Und Felix, was gibt es deiner Meinung nach noch hinzuzufügen?